Singen – Die Theater‑AG des Friedrich‑Wöhler‑Gymnasiums hat den alten Klassiker „Antigone“ neu aufgelegt – und das mit einer ordentlichen Portion Wortwitz, Klavier‑Kabarett und jugendlichem Esprit. Die Inszenierung, die auf dem musikalischen Multitalent Bodo Wartke basiert, zeigte ein wahres Feuerwerk der Schauspielkunst, das das Publikum in der Singener Gems nicht nur zum Nachdenken, sondern vor allem zum Lachen brachte.

Ein königlicher Machtkampf, der heute noch brennt

Seit dem blutigen Streit zwischen Polyneikes und Eteokles liegt die Krone bei Kreon – doch der neue König wandelt sich schnell vom Gesetzeshüter zum Tyrannen. Antigone, seine rebellische Nichte, stellt dabei die Frage nach Würde und Freiheit in den Mittelpunkt und gibt Kreon eine ordentliche Portion „Meinung“. In der unter der Leitung von Nicola Fritsch und Heike Heers entstandenen tACTlos‑Version wird die antike Heldin, gespielt von Charlotte Freiberg, nicht nur ernsthaft, sondern mit Charme und Esprit zur Sprachakrobatin, die mit jedem Reim und jeder Melodie die alte Geschichte in ein modernes, humorvolles Spektakel verwandelt.

Die Mitglieder von tACTlos brachten ihre eigenen Ideen ein, modernisierten Dialoge und zeigten eindrücklich, dass Antigones Kampf um Würde heute genauso relevant ist wie vor über 2 500 Jahren.

Was Bodo Wartke als zwei Personen Stück verfasste, wurde von dem 20-köpfigen Ensemble (Klassenstufen 8-12) mit sehr viel Spielfreude und großer Professionalität auf die Bühne gebracht. In ihren Rollen überzeugten: Hanna Möhrle als Polyneikes und Ariadne, Evanur Duman als Eteolkles, Haitang Köhlmann als Ismene, Lera Gerber als Teiresias, Ella Iwan als Ödipus, Maren Heers als Theseus, Massimo Simone als Wachanführer, Till Kräftenrath und Mara Kempter als Wächter, Lucy Dürr als Orakel, Katja Potofeew als Orakelgefolge und Priesterin, Gülneva Alblak als Menoikois, Jonas Stett als Kreon, Luca Sievert als Eurydike, Sophie Sieger als Haimon und Xenia Hölzer als Bote. Insgesamt gelang es der Gruppe auf eindrückliche Weise die Balance zwischen Tragödie und Komödie zu halten. Mindestens so beeindruckend wie das Schauspiel und die starke Bühnenpräsenz der Jugendlichen waren die Gesangseinlagen der drei „Sprecherinnen“ (Ksenia Glock, Kim Dreher und Amelie Mathieu) und die Klavierbegleitung (Friederike Renner). Es entstand ein Klangteppich, der die antike Geschichte in die Gegenwart katapultierte. Für ihre Leistung wurde das Ensemble bei allen fünf Aufführungen mit einem begeisterten Applaus des Publikums belohnt.

Weiter Aufführungen sind im Juli auf Schloss Blumenfeld (Tengen) geplant.

 Antigone 2026 1000

tACTlos setzte in der Singener Gems Antigone (Charlotte Freiberg) zwischen den beiden „Blinden“, dem Seher Tereisias (Lera Gerber) und Ödipus (Ella Iwan) in Szene. Im Hintergrund zwei der singenden Sprecherinnen (Ksenia Glock und Kim Dreher).

 

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