Australienausstausch 2017/18 - 1. Teil - ein Erfahrungsbericht

 austr

G'Day Deutschland!

Jack ist mein australischer Austauschpartner. An einem der Wochenenden fuhr Jack mit mir und meiner Familie nach Südtirol, also mitten in die Alpen. Es war Samstag und herrliches Wetter. Jack und ich fuhren zu zweit mit der Seilbahn auf einen Berg, von dem aus man eine wunderbare Aussicht in alle Himmelsrichtungen hat. Als wir oben aus der Gondel ausstiegen, merkte ich schon, wie mein Austauschpartner staunte. Wir gingen bis zu einer Felskante und schauten nach Süden. Hunderte Kilometer weit konnten wir sehen. Unser Blick schweifte über hunderte Gipfel, wir sahen Fels, Wälder, Schnee und Gletschereis. Zwischen den Bergen hindurch sahen wir die bizarren Kanten der Dolomiten. Es war traumhaft schön. Und Jack starrte minutenlang auf das Panorama. Dann sagte er leise zu mir: „Wow! I have never seen anything like that in my entire life.“

Volles Programm

Solche und ähnliche Sätze des Staunens haben bestimmt auch die anderen Austauschschüler im Verlauf der vier Wochen in Deutschland gesagt. Und das ist auch das eigentliche Thema des ganzen Austauschprogramms, jedenfalls so wie ich es wahrgenommen habe: Erlebnisse, Neues sehen und kennen lernen, fremde Eindrücke sammeln und aufnehmen. Ob das unsere merkwürdige, anscheinend gar nicht so einfache Sprache ist oder das komische deutsche Essen (Maultaschen! Spätzle! Zig Sorten Brot!). Ob es die uralten Gebäude und mittelalterlichen Innenstädte oder die Autobahnen ohne Tempolimit sind. Ob es die vielfältigen Landschaften sind oder die ausgiebige Fortbewegung zu Fuß und per Fahrrad. Es gab für alle reichlich zu erleben und hoffentlich auch manchmal zu staunen.

Das vierwöchige Austauschprogramm in Deutschland begann mit der Ankunft der australischen, uns noch fremden Schüler aus Ballarat, Victoria, und ihrer drei Lehrer am Montag, den 25.09.2017, an unsere Schule in Singen. Und es endete am Sonntag, den 14.10.2017, mit dem Verabschieden der Jungs und Mädels aus Down Under, die uns schon mächtig ans Herz gewachsen waren, am Flughafen in Zürich. In dieser Zeit hatten die Australier ein tolles Programm mit den Sehenswürdigkeiten und Attraktionen Süddeutschlands. Am zweiten Tag wurden sie vom Singener Oberbürgermeister Häusler mit einer interessanten Rede über Singen und unseren Hausberg, den Hohentwiel, begrüßt. Und den durften die Australier dann auch gleich besteigen und die mittelalterlichen Burganlagen besichtigen. Am Abend grillten wir alle gemeinsam an der Schule – und prompt packten sie zum ersten Mal den Football aus und begannen eine zünftige Rauferei auf dem Rasen. Wir lernten: Ohne Australian Football geht bei den Australiern gar nichts!

Weitere Ausflüge führten sie in die Schweizer Alpen und nach Schaffhausen, zum größten Wasserfall Europas. Von diesen Ausflügen berichteten die Schüler begeistert, denn zwar gibt es in Australien natürlich auch eine Menge zu sehen, aber eben ganz andere Sehenswürdigkeiten.

Zwei zweitägige Ausflüge brachten die australische Reisegruppe weiter von Singen weg: Nach Freiburg, wo das Münster und die historische Altstadt einen starken Eindruck hinterließen. Und nach Füssen ins bayrische Voralpenland, wo es fast schon kitschig schön ist. Besonders fasziniert wahren die Schüler von Schloss Neuschwanstein – das ja nun wirklich aussieht wie ein Märchenschloss aus Disneyworld. Aber sie saugten auch die zugehörige Geschichte vom Bayernkönig Ludwig und seinem mysteriösen Tod auf.

Aussie Rules

Besonders merkwürdig müssen die Entfernungen auf „unsere“ Australier gewirkt haben: Während man mühelos innerhalb von fünf Stunden durch vier deutschsprachige Staaten von Singen nach Südtirol fahren kann, wobei man dreimal eine Staatsgrenze überquert – Deutschland-Schweiz, Schweiz-Österreich, Österreich-Italien – fährt man in Australien in 5 Stunden gerade mal von Nord-Victoria nach Süd-Victoria. Australien ist einfach riesig. Und Deutschland dagegen winzig.

Vielleicht mach die Größe Australiens die Australier so gelassen. Jedenfalls fielen unsere Gäste durch ihre Coolness, ihre Fröhlichkeit und ihren Witz auf. Wir hatten einen Riesenspaß miteinander. Und natürlich flog bei jeder sich nur bietenden Gelegenheit der Aussie Football. Die Lebensfreude und der Optimismus der Australier hat sich auf uns alle übertragen. Der Spaß war der ständige Begleiter dieses Austauschs und der Schüler und der Lehrer beider Seiten.

Das alles wäre nicht möglich gewesen ohne die zusammenarbeitenden Schulen, ohne die engagierten Lehrer, ohne die interessierten und motivierten Schüler und die vertrauensvollen und gastfreundlichen Eltern. Sie alle haben diesen Austausch zu einem großen Erfolg gemacht. Und wir deutschen Schüler sind jetzt voller Vorfreude auf die Zeit in Australien im kommenden Februar.

Bericht: Teilnehmer/innen & Eickeler