Friedrich Wöhler

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Friedrich Wöhler wird am 31. Juli 1800 als Sohn des Dr. August Anton Wöhler, der als Großherzoglich Frankfurter Stallmeister einer der angesehensten Bürger Frankfurts war, im heutigen Frankfurter Stadtteil  Eschersheim geboren und wächst in Meinigen/Thüringen und auf Gut Röbersheim bei Frankfurt auf.

Die Schulzeit verbringt er in Frankfurt, wo sein Interesse für Mineralogie und Chemie auch durch eigene Experimente geweckt wird. Da es 1821 die Möglichkeit des Chemiestudiums noch nicht gibt, geht er nach Marburg und Heidelberg, um Medizin zu studieren. Hier ist er bereits Schüler des Chemikers Leopold Gmelin. Am 2.Sept.1823 schließt er das Medizinstudium mit dem Dr. med. ab. Auf Gmelins Rat und einer Einladung des berühmtesten Chemikers der damaligen Zeit, des Schweden Jöns Jacob Berzelius, folgend, wendet sich Wöhler nun seinem Hauptinteressengebiet, der Chemie, zu.

1823-1824 arbeitet er fast täglich mit Berzelius im Labor und erlernt dabei die exakte systematische Arbeit der Analyse. Er versucht sich an Mineralanalysen und erreicht innerhalb kurzer Zeit eine Fehlerquote von nur 1 bis 2% (bei nur 2 Analysen, wie damals üblich).

Anschließend beabsichtigt er, sich in Heidelberg zu habilitieren, nimmt jedoch dann ein Angebot als Chemielehrer an die Gewerbeschule in Berlin an, wo er 1825-1831 die mit Berzelius angefangenen Arbeiten fortsetzt und auch neue Themen aufgreift.

In dieser Zeit vollendet er kurz hintereinander zwei Arbeiten aus gänzlich unterschiedlichen Gebieten der Chemie, die seinen weltweiten Ruf begründen sollten:

Die Reindarstellung des Aluminiums (1827) aus Aluminiumoxid auf chemischem Wege (durch die Reduktion von Aluminiumchlorid mit Kalium) und

1828 die Synthese von Harnstoff (aus dem organischen Stoff  Ammoniumcyanat), die wohl zu Recht als die Geburtsstunde der organischen Chemie bezeichnet werden kann.

1831-1836 unterrichtet er an der Gewerbeschule in Kassel.

1836 erreicht ihn der Ruf an die Göttinger Universität, wo er bis zu seinem Tode Professor für Chemie und Pharmazie, sowie Direktor des chemischen Labors sein wird, außerdem wird er Generalinspektor der Hannoverschen Apotheken in Göttingen.

Die immer zahlreicher werdenden Schüler erfordern einen zweimaligen Ausbau der Laboratorien (1842 und 1860), so daß dann 100 Arbeitsplätze zur Verfügung stehen.

Wöhlers wissenschattliche Arbeiten umfassen die verschiedensten Gebiete der Chemie: Physikalische Chemie, anorganisch-präperativ, anorganisch-analytisch (Mineralien und Wasser), organisch-präperativ und -analytisch, Chemie der Naturstoffe und physiologische Chemie.

Schon bald hat Wöhler durch seine Arbeiten über die Cyansäure Kontakt mit Justus von Liebig in Marburg bekommen und auch einige Arbeiten mit diesem zusammen veröffentlicht.

1844 erscheint seine Abhandlung Untersuchungen über das Marrotin und seine Zersetzungsprodukte, in der sein ganzer Einfallsreichtum qualitativer und quantitativer organisch-chemischer Analytik deutlich wird.

Die qualitative und quantitative Analytik des Arsens hat ihn immer wieder beschäftigt. So untersuchte er unter anderem Schwefelsäure, Roheisen und auch Carlsbader Sprudel auf ihren Arsengehalt.

1849 erscheint eine Arbeit zur gerichtlich-chemischen Untersuchung bei Arsenikvergiftungen.

1849 veröffentlicht er sein erstes Lehrbuch Beispiele zur Übung in der analytischen Chemie, 1853 folgt Praktische Übungen in der chemischen Analyse und 1861 Die Mineralanalyse in Beispielen.

Besonders interessiert sich Wöhler für die Untersuchung von Meteoriten. So berichtet er 1852 in den Sitzungsberichten der Wiener Akademie der Wissenschaften über die Analyse des Meteoreisens von Rasgata (ein Dorf nördlich von Bogota/Kolumbien). Von dem 1823 gefundenen Stein hatte er 3,977 g für seine Untersuchung zur Verfügung.

23. Sept. 1882 Friedrich Wöhler stirbt in Göttingen.

Er entdeckte auch Yttrium, kristallisierte Bor und Silicium, enteckte die Isomerie der Cyansäure und Knallsäure, arbeitete mit Liebig über Benzoylverbindungen, wodurch Radikal- und Substitutionstheorie wesentlich geklärt wurden. Sein Schaffen zeigt sich auch in den über 200 wissenschaftlichen Publikationen, die seinen Namen tragen.


Zusammenstellung aus verschiedenen Veröffentlichungen
Florian Kolb und Florian Schuhmacher