Bienen am Stützpunkt NwT des FWG Singen

Warum möchten wir mit dem Stützpunkt Naturwissenschaft und Technik des FWG Singen Bienen und Imkerei zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen und sie im Rahmen von einerseits naturwissenschaftlich/technischen Fragestellungen und Herangehensweisen anderseits unter dem Aspekt „Erziehung zur Nachhaltigkeit“ nutzen? Hierzu einige grundlegende Überlegungen.

  

Aspekt: Erziehung zur Nachhaltigkeit:

Sie sind „Wildtiere“ und bleiben es, auch wenn sie als Haustiere gehalten werden, und verhalten sich entsprechend. Das unterscheidet sie von allen anderen vom Menschen genutzten Tieren und bringt viele Aspekte mit sich:

 

Bienen machen glücklich

    • Die Völker versorgen sich selber, müssen nicht ausgemistet und (wenn man keinen Honig erntet) auch nicht gefüttert werden. Sie sind nicht auf die Zuwendung des Menschen angewiesen. Erst im Rahmen von menschengemachten Problemen wie der Einschleppung der Varroamilbe und abnehmender Artenvielfalt ergibt sich eine Fürsorgenotwendigkeit. Andere Haustiere sind abhängig vom Menschen, Bienenvölker sind souverän. Diese Souveränität führt zu einem anderen Verhältnis der Schüler zu einem Bienenvolk als zu anderen Haustieren wie Rennmäusen oder Fischen, deren Haltung an Schulen üblich sind: die Beziehung ist nicht durch einseitige Abhängigkeit geprägt, sondern gleichsam auf Augenhöhe.

    • Als wehrhafte Lebewesen muss der Kontakt zu ihnen stets von größer Sorgfalt und Umsicht geprägt sein. Ein aufgebrachtes Volk mit 30 000 Bienen ist Respekt einflößend. Vorausschauendes Handeln ist geboten: Wie geht es dem Volk? Welche Arbeiten stehen an? Wie organisieren wir diese so, dass möglichst wenig Störungen entstehen?

    • Die beiden oben genannten Aspekte führen genau zu dem Glückserleben, das die friedliche Begegnung mit diesem wehrhaften Tier beschert. Bienen stechen nicht, wenn man sie nicht stört. Ein bisschen Erinnerung ans Paradies, an das friedliche Zusammenleben aller Lebewesen, liegt im gelingenden Umgang mit Bienenvölkern. Im herrlichen Duft der Bienenprodukte und in der Süße des Honigs materialisiert sich dieser Aspekt.

 

Bienen machen schlau

    • Bienen zeigen ein extrem komplexes Verhaltensrepertoire, bedingt durch die soziale Organisation im „Bienenstaat“, der im Sommer über 50 000 Tiere beherbergt. Wer Bienen hält muss sich auskennen mit den Kommunikationsstrukturen und Zyklen nach denen dieses System organisiert und mit seiner Umwelt verwoben ist. Bienenhaltung erfordert den umsichtigen Einsatz von komplexem Wissen.

 

Bienen erziehen zu nachhaltigen Denken

    • Bienen sind mit ihrer Umwelt aufs Engste verwoben. Die Beschäftigung mit Bienen und Imkerei führt zwangsläufig dazu, diese Umwelt ebenfalls sehr genau zu beobachten: Wetter, Tracht (was blüht denn gerade und kann unsere Bienen ernähren), Umweltgifte, Landschaftsnutzung in einer industriell orientierten Landwirtschaft, um nur einige Aspekte zu nennen. Wer Bienen hält, will Honig ernten, dafür braucht es Blüten, aber auch Sonne und Regen; Unwetter gefährden die Bienenvölker ebenso wie Spechte, Waschbären und andere Feinde. Bienenhalter spüren die Abhängigkeit von „der Natur“ stärker.

    • Wer Bienen hält, bekommt ein gutes Gespür für ökologische Zusammenhänge: Ist ein Park, ein Garten, eine Wiese Lebensraum für Insekten (und damit für alle anderen Tiere)? Die Nektarspender des Frühjahrs bieten im Herbst Samen und Früchte für Wildtiere.

    • Wer Bienen hält hat mit dem Problem Bienensterben zu tun. Obgleich man bis heute keine klare Ursache dafür gefunden ist doch ein vielfältiger Zusammenhang zur industriellen Landwirtschaft deutlich geworden. Gerade die ungeklärten Ursachen machen Bienenhalter zu aufmerksamen Beobachtern ökologischer Zusammenhänge.

    • Wer Bienen hält wird auch einen anderen Zugang zur Lebensmittelerzeugung bekommen. Am Honig spüren Imker, wie viel Zuwendung, Zeit und Arbeit in der Erzeugung steckt und wie schlecht die Bezahlung dafür. Dies öffnet die Augen auch für das Verhältnis von Preis und Qualität bei anderen Lebensmitteln.

 Deshalb möchten wir im Rahmen des Stützpunktes die Haltung von Bienen an Schulen fördern.

 

Aspekt Naturwissenschaft und Technik:

 

Bienen sind Lebewesen, mit denen wir experimentieren können, was an anderen höheren Organismen fast nicht möglich oder sinnvoll ist, denn: 

    • Sie sind klein und für Verhaltensexperimente lassen sich einfache Versuchsanordnungen finden, die vielen Schülern gleichzeitig eine Beobachtung erlauben.

    • Für die Durchführung der Versuche – obgleich thematisch biologisch geprägt – müssen Versuchsapparaturen geplant und gebaut , Untersuchungs- und Messmethoden gefunden, Daten aufgenommen und ausgewertet werden. Somit sind alle Aspekte des Faches NwT vertreten.

    • Ein Bienenvolk ist eine Art Gesamtorganismus, der auch viele Eigenschaften von Säugetieren (einschließlich dem Menschen) aufweist: Enge Kooperation, Arbeitsteilung und Abstimmung der vielen Einzeltiere durch Kommunikationsstrukturen, Temperaturregelung, Brutfürsorge mit Körpersäften, … Anders als bei Säugetieren können wir aber in diesen Organismus hineinschauen, ohne ihn zu zerstören oder auch nur stark einzugreifen. Beobachtungen, insbesondere an einem Schaubienenstock, geben Einblick in das „Körperinnere“.

    • Dass die gesetzlichen Vorgaben für den Tierschutz für Bienen als Insekten nicht gelten ist in diesem Zusammenhang nicht relevant, denn unser Anliegen der Erziehung zur Nachhaltigkeit verpflichtet per se zu einem schonenden Umgang mit den Tieren ohne diesen Schaden zu zufügen.

  

Bienen sind Lebewesen, deren Haltung deutlich technische Aspekte aufweist und die Allgegenwart technischer Fragestellungen und Herangehensweisen deutlich macht: 

Unsere Schüler beschäftigen sind mit dem Bau von Magazinbeuten (moderne Bienenwohnungen) und Schaubienenkästen unter Berücksichtigung der Bedürfnisse und Eigenheiten von Bienen und Imkern und erlernen dabei Grundzuge der Holzverarbeitung.

Die Planung und Durchführung von Versuchen führt zur Auseinandersetzung mit Materialeigenschaften, Sensoren und Messgeräten. Der Vergleich mit verfügbaren Daten (z.B. Hobos, eigenen Stockwaage, Trachtmeldedienst, eigene Stockwaage) ergänzt die eigene Datenerfassung.

 

 

 

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